Mallorca trotz Risikogebiet?

Ich genieße gerade ein paar Urlaubstage auf der Lieblingsinsel der Deutschen, Mallorca. Die Reise hatten wir schon im letzten Jahr gebucht und wir wollten uns unsere wohlverdiente Erholung nicht nehmen lassen.

Die Schweiz von oben

Die Anreise gestern verlief vollkommen entspannt, ohne besondere Vorkommnisse und mit viel Abstand im Flieger, denn der war nur zu rund 60% besetzt. Schön für die Passagiere aber unwirtschaftlich für die Airlines.

Dennoch, die Maske gehört dazu

Schön zu sehen, dass sich trotz des am Vorabend vom RKI ausgerufenen Risikogebiets doch Menschen entschlossen haben, ihre Reise anzutreten. Überwiegend Familien mit Kindern befanden sich auf dem Lufthansa-Flug und es herrscht eine gute Stimmung.

Nach knapp zwei Stunden kommt endlich die Insel in Sicht. Endlich.

Nach der Landung das obligatorische Fieber-Screening per Wärmebildkamera. Wer keinen QR Code vor der Reise online beantragt hat, konnte im Flugzeug noch das Einreiseformular ausfüllen.

Im Terminal in Palma herrschte keine gähnende Leere mehr, wie noch Mitte Juni, aber voll wäre anders. Überall geordnete Abläufe und disziplinierte Fluggäste und Mitarbeiter.

Nach Übernahme des Mietwagens ging es für uns in Richting Ferienhaus. Nun kann die Erholung beginnen.

Unsere Pläne für heute führten uns ins Tramuntana Gebirge an der Nordwestflanke Mallorcas, deren höchste Erhebung mit 1445 m der Puig Mayor ist. Die Fahrt aus dem Südosten führte an Campos und Palma vorbei hinein in die Berge. Wir entschlossen uns, nicht den Weg durch den Tunnel nach Sóller zu nehmen, sondern die schönere Route über den Pass.

Serpentinen führen auf der einen Seite hinauf und auf der anderen wieder etwas hinunter aber die Aussichten belohnen. Sóller lassen wir heute links liegen, da wir später mit dem „Roten Blitz“ nach Sóller kommen möchten. Unsere Ziele heute sind die Bergdörfer Fornalutx, Deià und Valldemossa.

Was in den vergangenen Jahrzehnten in der Hochsaison sich stets als völlig überlaufen präsentierte, ist diesem Jahr vollkommen entspannt. Parkplätze sind in allen Bergdörfern stets zu bekommen und auch die Gassen sind stellenweise menschenleer. Zahlreiche Cafés und Tapas Bars laden zum Verweilen ein und freuen sich über jeden einzelnen Gast.

Wahnsinnig hübsch präsentieren sich Mallorcas Bergschönheiten. Von der Gebirgsstraße wandert der Blick hinunter auf das tiefblaue Meer an der Nordwestküste. Cristiano Ronaldo lag mit seiner Mega Yacht vor Anker, das größte Schiff, das von oben auszumachen war, wie konnte es anders sein.

Mein Favorit heute: Deià. Das bezaubernde Örtchen thront auf einem Felsen und hat sehr viel Charme, zwei sehr gute Hotels und abwechslungsreiche Gastronomie. Es machte Spaß, durch die kleinen Gassen zu spazieren und den Ort zu entdecken. Wir entdeckten in einem unscheinbaren Hauseingang einen kleinen Verkaufstand einer Einwohnerin und kauften dort ihre hausgemachte Orangenmarmelade. Die Einwohnerin und wir waren glücklich.

Letzter Stop des Tages war Valldemossa. Wo sich sonst zahlreiche Ausflugsbusse tummelten, waren nur einige wenige Autos zu finden. Wir schlenderten durch die Gassen und freuten uns über den Windzug, der über das Hochplateau wehte. Das machte die hohen Temperaturen erträglicher. Ein kleines Eis to-go und wir waren happy, aber auch erschöpft, denn ein erfüllender Tag lag hinter uns.

Neuer Tag, neues Glück. Nachdem wir von den Gebirgsregionen Mallorcas verzückt waren, standen nun die Küstenorte im Südosten auf der Tagesordnung. Von Ses Salines, wo sich unsere Finca befand, fuhren wir an die wunderschöne malerische Cala Figuera und verbrachten dort ein wenig Zeit.

Am rechten und linken Ufer der schmalen Meeresbucht tummeln sich zahlreiche Fischer- und private Motorboote. Ein herrlicher Anblick. Über Santanyí setzten wir die Reise fort in Richtung Porto Pedro und Cala d’Or.

Die sieben herrlichen türkisfarbenen Badebuchten in Cala d’Or laden zu einem erfrischenden Bad ein. Wir waren leider nicht darauf vorbereitet und mussten unverrichteter Dinge weiterziehen.

Auch Cala d’Or waren nur wenige Urlauber anzutreffen. Ein trauriges Schauspiel, die schön gedeckten Tische in den zahlreichen Lokalen zu sehen und niemand saß daran. Ich weiß beim besten Willen nicht, wovon die Menschen hier derzeit leben.

Am späten Nachmittag erreichten wir das Kap Ses Salines, den südlichsten Punkt der Insel. Ein Leuchtturm thront auf dem Felsen. Von hier konnte man in der Ferne die Isla Cabrera ausmachen, die ebenfalls zum Archipel der Balearen gehört, Naturschutzgebiet ist und von vielen Seglern angesteuert wird.

Nach soviel Natur wollten wir uns in die Fänge der Stadt Palma begeben und schauen, was diese zu bieten hat. Die Zufahrt in die City ist einfach aber der Verkehr zur Rush Hour doch gewöhnungsbedürftig. Ein zentral gelegenes Parkhaus war schnell gefunden, denn die Beschilderung ist gut.

Die Innenstadt lässt sich wunderbar zu Fuß entdecken. Die malerischen und verwinkelten Gassen verzücken und beherbergen hübsche kleine Geschäfte sowie zahlreiche Bars und Cafés. Viele Reiseführer enthalten Vorschläge für Stadtrundgänge. Wir haben einen solchen unternommen und für gut befunden, da er zu den schönsten Plätzen der Innenstadt führt.

Dazwischen immer wieder einige Künstler, die versuchten, ihre Werke verkaufen. Palma selbst war zwar gut besucht aber zu keiner Zeit überfüllt. Abstand halten war problemlos möglich.

Das Wahrzeichen der Stadt kennt jeder, der schon einmal auf Mallorca war. Die Kathedrale, so gut wie vereinsamt, dominiert die Kulisse vom Meer her. Ein beeindruckendes Bauwerk wie wir fanden.

Zu einer Mallorca-Reise gehört auch der Besuch eines lokalen Marktes. Jeden Mittwoch findet in Sineu ein solcher Markt statt. Neben Lebensmitteln, Hühnern und anderen Tieren, Lederwaren werden auch Haushaltswaren und Backwaren angeboten. Wir genossen einfach das lebhafte Treiben.

Sehr empfehlenswert ist auch die kleine Stadt Pollenca im Nordosten der Insel. Malerische, verträumte Gassen mit kleinen Geschäfte, Cafés und Restaurants zieren das Zentrum. 345 Stufen führen hinauf zur Kapelle „El Calvari“. Von dort hat man einen schönen Blick über die Stadt und die Umgebung.

Unweit von Pollenca befindet sich die Zufahrt vom Cap de Formentor, dem nordöstlichsten Punkt Mallorcas. Am Ende der rund 16 Kilometer langen Panoramastraße wartet dieser Leuchtturm und ein toller Rundumblick auf euch.

Was wäre Mallorca ohne einen Sangría? Richtig, nichts. Ein Freund empfahl uns hierfür ein Lokal in Sa Coma. Hier sollte es den besten Sangría geben. Wir wissen nicht, ob es der beste war aber er war genial und mit 4,95€ preiswert dazu. Prost.

Der „Roten Blitz” für unseren Ausflug nach Sóller haben wir letztlich doch nicht nutzen können. Aufgrund der wenigen Besucher fuhr er nur zweimal am Tag und die Zeiten waren für uns etwas unpassend. Daher besuchten wir Sóller sowie Port de Sóller mit unserem Mietwagen.

Fazit: Unsere Zeit auf Mallorca war wunderschön und herrlich entspannt. Genauso haben wir es uns im Vorfeld auch ausgemalt. Von Risikogebiet war hier wenig zu spüren und Abstand halten war problemlos möglich. Behörden, Bevölkerung und Urlauber haben sich mit der Bedrohung durch Covid-19 arrangiert und machen das Beste aus der Situation. Die Darstellung, dass ein Mallorca-Urlaub einem hohen Lebens- bzw. Infektionsrisiko gleich kommt, können wir persönlich bei Einhaltung von Abstand und Hygiene nicht bestätigen.